Handwerksmuseum
Bederkesa
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Handwerksberufe

Hier werden die Ausstellungsbereiche in ungebundener Reihenfolge vorgestellt.

Die Innungen der Kreishandwerkerschaft Bremerhaven-Wesermünde haben Innungsbeauftragte bestimmt, die Exponate entsprechend ihrer Werkstatteinrichtungen zugeordnet haben.

 

Die historischen Abbildungen sind aus dem Kalender "Junges Handwerk - alte Berufe" , erschienen bei Mohn Media/ Kalender & Promotion Service GmbH.

 

Texte und Fotos zum Schuhmacher und Friseur als pdf-Datei zum Herunterladen.

Buchdrucker und Schriftsetzer

Die Einrichtung der kompletten Druckerei ist in der Broschüre des Handwerksmuseums bereits beschrieben worden. Diese Druckerei, die bis 1995 in Bederkesa von der Familie Holtze über drei Generationen betrieben wurde, hat nur die Buch- oder Hochdrucktechnik betrieben. Hier sind auch die Bederkesaer Nachrichten, eine von vielen Zeitungen im Elbe-Weser-Dreieck, bis 1940 verlegt und gedruckt worden
Die Erfindung dieser Technik ist allgemein bekannt. Es sind jedoch immer wieder Zweifel an der Leistung Gutenbergs geäußert worden, so dass sich eine Forschungsgruppe des Historikers Detlev Portretni* die Aufgabe gestellt hat, diese Zweifel wissenschaftlich zu widerlegen.
Im Anschluss an einen Besuch im hiesigen Museum hat Herr Portretni die Ergebnisse dieser Beweisführung für die Internetpräsentation zur Verfügung gestellt

*Detlev Portretni
Eichendorffstr.29
45739 Oer-Erkenschwick

 

 

Der Erfinder des Buchdruckes  Bi Shēnq 
Laurens Janszoon Coster   Johannes Gutenberg


Laurens Janszoon Coster*

Der niederländische Buchdrucker *Laurens Janszoon Coster (* 1370, 1440) und der deutsche Buchdrucker Johannes Gutenberg (* 1400, 3.2.1468) waren zwei Zeitgenossen, die im 15. Jahrhundert lebten.

Laurens Janszoon Coster galt in den Niederlanden als Erfinder des Buchdrucks. Diesen soll er ab 1423 in seiner Heimatstadt Haarlem entwickelt haben. Andere Quellen nennen 1428 oder 1430. Costers Name wird erstmals 1568 (postum) von dem niederländischen Schriftsteller Hadrianus Junius (eigentlich: Adriaen de Jonghe; * 1.7.1511, 16.6.1575) erwähnt, und zwar in seiner 1568 verfassten und 1588 gedruckten „Batavia", einer Art „Geschichte der Niederlande". Zuvor wurde schon von den niederländischen Autoren Jan Van Zuyren (* 1536, 1615) und Dirck Vol-kertszoon Coornhert (* 1522, 29.10.1590) die These geäußert, der Buchdruck sei in Haarlem erfunden worden. In den Niederlanden gilt als sicher, dass um 1450 in Haarlem Bücher gedruckt worden sind, die „Costeriana" genannt wurden.


Die Kritiker dieser Theorie verweisen auf die 1499 gedruckte „Kölner Chronik". Darin wird die Behauptung, der Buchdruck sei in Holland erfunden worden, als „offenbar gelogen" bezeichnet. Die so genannten „Costeriana" (die holländischen Frühdrucke) seien erst seit 1471 nachzuweisen. Johannes Gutenberg, der in Deutschland als Erfinder des Buchdrucks gilt, soll ab 1434 in Straßburg unter strenger Geheimhaltung an seiner Erfindung gearbeitet haben. Der Druck seiner berühmten 42-zeiligen Bibel erfolgte 1452-56 in Mainz.


In niederländischen Schulbüchern war dennoch lange Zeit nachzulesen, Laurens Janszoon Coster habe die Buchdruckerkunst erfunden, und die Stadt Haarlem gedenkt Costers in Jubiläen, auf Medaillen und in Büchern. Heute wird Gutenberg jedoch auch in den Niederlanden allgemein als Erfinder des Buchdrucks anerkannt.

 

Bi Shēng

Abgesehen von dieser europäischen Diskussion gilt als gesichert, dass der Buchdruck mit beweglichen Lettern schon im 11. Jahrhundert in China durch Bi Shēng (* 990, 1051), einen chinesischen Schmied zwischen 1041 und 1048 im Kaiserreich China eine Methode des Drucks mit beweglichen Lettern erfunden hatte.


Seine Erfindung wird detailliert von Shěn Kuò (* 1031, 1095) in dessen Werk Mengxi Bitan (chinesisch:  ; deutsch: „Pinselunterhaltungen am Traumbach") aus dem Jahre 1088 beschrieben: Bi Shēng hatte für die einzelnen Schriftzeichen Druckstempel aus gebranntem Ton gefertigt, die er mit einer Mischung aus Wachs und Harz zum Druckstock einrichtete.


Um zu drucken, setzte er einen Eisenrahmen auf eine Eisenplatte und ordnete darin die Stempel an. War der Rahmen voll, dann ergab dies einen Druckstock, den er dann erhitzte, bis die Paste (an der Rückseite der Lettern) zu schmelzen begann. Mit einem Brett, das er an die Vorderseite drückte, ebnete er die Oberfläche des Druckstocks damit sie glatt wurde wie geschliffen.


Von jedem Schriftzeichen hatte er mehrere Stücke, und für häufig vorkommende zwanzig und mehr, um für Wiederholungen auf einer Seite gerüstet zu sein. Nicht benutzte Schriftzeichen etikettierte er und bewahrte sie in hölzernen Schachteln auf. (Lit. Tsien)


Um die Zeichen erneut verwenden zu können, wurde die Eisenplatte neuerlich erhitzt, bis die schmelzende Paste die Stempel wieder freigab. Für größere Druckflächen waren Bi Shengs Keramiklettern aber zu empfindlich (Lit. Sohn).

 

Johannes Gutenberg


Johannes Gutenberg (* 1400, 3.2.1468), gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern (Mobilletterndruck) in Europa und der Druckpresse.


Die Verwendung von beweglichen Lettern revolutionierte die herkömmlichen Methoden der Buchproduktion und löste in Europa eine Medienrevolution aus. Gutenbergs Buchdruck breitete sich schnell in Europa und später in der ganzen Welt aus und wird als ein Schlüsselelement der Renaissance betrachtet. Insbesondere sein Hauptwerk, die Gutenberg-Bibel, wird allgemein für ihre hohe ästhetische und technische Qualität gerühmt.


Zu Gutenbergs zahlreichen Beiträgen zur Buchdruckerkunst gehören neben der Verwendung von beweglichen Lettern auch die Entwicklung einer besonders praktikablen Legierung aus Zinn, Blei und Antimon, einer ölhaltigen Tinte und eines Hand­gießinstruments. Zudem erfand er die Druckerpresse. Das besondere Verdienst Gutenbergs liegt darin, alle Komponenten zu einem effizienten Produktionsprozess zusammengeführt zu haben, der erstmals die maschinelle Massenproduktion von Büchern ermöglichte. 1997 wurde Gutenbergs Buchdruck vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausends gewählt, und 1999 kürte das amerikanische A&E Network den Mainzer zum „Mann des Jahrtausends".


Druckverfahren


Gutenberg erfand den Buchdruck durch Verbesserung und Entwicklung der damals bereits bekannten Reproduktions- und Druckverfahren (das Arbeiten mit Holzblöcken, Modeln und Druckplatten oder Stempeln) zu einem Gesamtsystem. Der Kern von Gutenbergs Entwicklungen war das Handgießinstrument, mit dessen Hilfe Drucklettern einzeln, schneller, und feiner gegossen werden konnten, die Erfindung der Druckerpresse und Entwicklung verbesserter Druckfarbe.



Handgießinstrument und Herstellung von Lettern


Neu war, Lettern über ein Replikenverfahren (Guss) herzustellen. Die Lettern bestanden aus einer Legierung aus Zinn, Blei, Antimon und etwas Wismut. Gutenberg fertigte aus hartem Metall von jedem Zeichen eine erhabene, seitenverkehrte Form (Patrize) an, die dann in Kupfer eingeschlagen wurde. Die im Kupfer entstandene vertiefte Form der Letter bildete die negative Form (Matrize). In diese Negativform wurde mit Hilfe des Handgießinstruments die flüssige Legierung gegossen. Das Handgießinstrument zur Herstellung der Drucklettern bestand aus Holz mit zwei metallenen Backen. Die eingesetzte Matrize wurde durch einen Metallbügel gehalten. Nach dem Erkalten wurden die Typen auf gleiche Länge gebracht und in Setzkästen sortiert.


Satz und Druck


Die Metall-Lettern wurden, mit Hilfe eines Winkelhakens, zu Zeilen zusammengefügt. Ein gleichmäßiger Abstand zwischen den Buchstaben und Zeilen wurde durch Blindmaterial erreicht. Der gleichmäßige Blocksatz der B42 entstand durch die Verwendung von unterschiedlich breiten Typen, Ligaturen und Abkürzungszeichen. Insgesamt konnten bei dem Bibeldruck 290 verschiedene Typen ausgemacht werden.


Die in dem Winkelhaken gesetzten Zeilen wurden anschließend in einem Setzschliff zu einer Seite oder Spalte zusammengestellt. Dieser Satz wurde, mittels eines Druckerballens (ein Ledersäckchen aus Hundeleder, das mit Pferdehaaren gefüllt war) mit Druckfarbe bestrichen und in die Presse eingelegt. Vor dem Druck befeuchtete man das Papier, wodurch sich seine Poren öffneten. In den Poren des Blatts wird beim Drucken die Farbe aufgenommen. Nach dem Trocknen schließen sich die Poren und umschließen somit die Druckfarbe nachhaltig. Das vorbereitete Papier wurde am Pressdeckel mit Punkturen befestigt und mit einem Holzrahmen vor der Aufnahme von Farbe an nicht zu bedruckenden Stellen geschützt. Der eingefärbte Satz wurde mit Druck auf das Papier übertragen (Holzdruckverfahren). Durch die Punkturen konnte der Druck der Rückseite (Widerdruck) dem Schöndruck der Vorderseite genau angepasst werden, so dass sich die Satzspiegel nicht überlappten. Die Lettern hielten dem großen Druck der Presse stand und konnten mehrfach verwendet werden. Bis dahin wurden Druckplatten zumeist aus Holz hergestellt, die Unikate waren (Holztafeldruck) oder als Letterndruck mit als Unikaten gefertigten Lettern.



Druckfarbe


Die bis dahin übliche dünnflüssige Druckfarbe war zwar für den Holztafeldruck geeignet, für die Bleilettern jedoch entwickelte Gutenberg eine Emulsion aus Leinölfirnis und Ruß, die hinreichend zähflüssig war und schneller trocknete (Viskosität), was den Druck auf Vorder- und Rückseite eines Bogens ermöglichte. Für die Herstellung des Leinölfirnis', die viel Zeit und große Aufmerksamkeit erforderte, wurde als Indikator ein Stück Ölbrot benutzt.

Weitere mögliche beteiligte Stoffe an der Druckfarbe des frühen Buchdrucks waren Terpentin, Harzpech, schwarzes Pech, Schwefelkies, Zinnober, Harz, Galläpfel, Vitriol und Schellack. Bei den ersten Drucken wurde die Presse nur zum Druck der schwarzen Textelemente benutzt. Die Auszeichnungen (Rotzeichnungen) wurden nachträglich per Hand eingefügt.


Druckpresse


Gutenbergs Konstruktion einer Druckerpresse war wahrscheinlich eine Weiterentwicklung und Umgestaltung einer Spindelpresse. Diese wurden schon länger bei der Papier- und Weinherstellung eingesetzt. Das Drehen der Spindel mit Hilfe des Pressbengels bewirkte die Abwärtsbewegung einer senkrechten Metallplatte (Tiegel), die den entstehenden Druck gleichmäßig auf die Unterlage mit dem Druckstock verteilte. Die Unterlage befand sich auf einem bewegbaren Karren, der einen einfachen Zugang ermöglichte. Am Karren befestigt war ebenfalls der mehrteilig, aufklappbare Deckel, in den das bedruckbare Material eingelegt wurde.


Er druckte nach dem hier beschriebenen Verfahren und nach Vorlage einer Vulgata die 42-zeilige sogenannte Gutenberg-Bibel (abgekürzt B42). Die Gutenberg-Bibel gilt noch heute als eines der schönsten Erzeugnisse der Druckkunst, was oft auch daran festgemacht wird, dass sie nach über 500 Jahren noch aussieht wie zur Zeit ihrer Entstehung - dies ist der Qualität des verwendeten Papiers bzw. Pergaments zu verdanken sowie Gutenbergs außerordentlicher Sorgfalt beim Satz. Tatsächlich ist für die Schönheit dieser Bibel die besondere Komposition der Druckbuchstaben (Lettern) verantwortlich, die einer Textura und Schwabacher entsprechen.

 

 

*Fußnote


Zu dem niederländischen Buchdrucker Laurens Janszoon Coster gibt es verschiedene Datierungen und weitere Informationen, die den Buchdruck betreffen, die hier in den unterschiedlichen Lexika aufgeführt werden.


Die Coster-Legende


Die niederländische Coster-Legende besagt, dass Laurens Janszoon Coster, ein Mitglied des Großen Rates in Haarlem, der Erfinder des Buchdrucks sei.

Der Urheber dieser Legende war der niederländische Gelehrte Hadrianus Junius (eigentlich: Adriaen de Jonghe; * 1.7.1511, 16.6.1575), der 1588 in seinem Werk „Batavia" berichtete, dass Coster Buchstaben in Birkenrinde geschnitten habe, und sie auf Papier abdruckte. Dadurch sei er auf den Gedanken gekommen, einzelne Buchstaben aus Holz zu schnitzen, mit denen er unter Verwendung der ebenfalls von ihm erfundenen Druckerschwärze im Jahre 1430 das Vaterunser, das Ave Maria und weitere religiöse Schriften gedruckt habe. Später habe er Lettern aus Blei verwendet. Einer seiner Gesellen namens Johann habe das Druckerwerkzeug gestohlen, sei damit nach Amsterdam, nach Köln und schließlich nach Mainz gegangen, wo er im Jahre 1442 mit den entwendeten Typen gedruckt habe.


Herders Konversations-Lexikon von 1854


Coster, Laurens Janszoon, ein sog. Briefdrucker zu Haarlem im 15. Jahrh., der kleine Bücher, Gebete, Bilder u.s.w. mit Holztafeln druckte, wird von den Holländern der ganzen übrigen Welt zum Trotze als Erfinder der Buchdruckerkunst gefeiert und durch Denkmäler geehrt.


Pierer's Universal-Lexikon von 1857 - 1865


Coster, 1) Laurens Janszoon, geb. um 1370 in Haarlem, war dort 1417 Offizier der Bürgergarde, seit 1418 Mitglied des großen Rates (abwechselnd Schöffe u. Schatzmeister), seit 1421 Küster (Kirchenvorsteher) an der Parochialkirche u. starb wahrscheinlich 1439; er war mutmaßlich Briefdrucker, u. die Holländer machten ihn zufolge einer im 16. Jahrh. aufgekommenen Erzählung zum Erfinder der Buchdruckerkunst (s. d.); aus diesem Grunde wurde ihm auch 1856 in Haarlem eine Statue gesetzt.


Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1905 -1909


Coster, 1) Laurens Janszoon, nach holländischer Annahme der Erfinder der Buch­druckerkunst, soll nach Hadrianus Junius (»Batavia«, Leid. 1588) um 1440 als Küster in Haarlem gelebt und dort, anfangs zum Spielzeug für seine Enkel, mit aus Baumrinde geschnittenen, dann mit hölzernen und zuletzt mit metallenen Lettern gedruckt haben. Bei seinen ersten Büchern sollen die Blätter nur einseitig bedruckt, die ungedruckten Seiten aber zusammengeklebt gewesen sein, eins derselben sei der »Spiegbel onzer behoudenis« (die holländische Ausgabe des »Speculum salutis«). 1441 soll aber ein gewisser Johannes das Druckgerät gestohlen und mit demselben in Mainz zu drucken begonnen haben.

Diese Erzählung des Hadrianus Junius ist in Holland eifrig verteidigt worden, besonders von Scriver (1628), Seiz (1740), Meermann (1765), Koning (1816) u. a. 1722 errichtete man in Haarlem dem Coster ein Denkmal, und da Koning das Jahr 1423 als das Jahr der Erfindung angegeben hatte, feierte man 1823 ein Coster-Fest und errichtete Coster 1856 in Haarlem ein Erzstandbild. Nachdem aber bereits Schaab (1830), Wetter (1836), Ruelens (1859) gegen Junius aufgetreten waren, suchte auch Linde in seinen Werken: »Die Haarlemsche Coster-Legende« (Haag 1870), »Gutenberg, Geschichte und Erdichtung« (Stuttg. 1878) und »Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst« (Berl. 1886, 3 Bde.) die Unhaltbarkeit der Behauptungen des Junius nachzuweisen. Zwar trat Hessels (1882 und 1887) nochmals für die Ansprüche Costers ein, aber seine Gründe, namentlich auch die Zurückführung einer Reihe mit Typen gedruckter Bücher auf Costers Tätigkeit, wurden von Wyß (»Zentralblatt für Bibliothekswesen«, 1888) endgültig zurückgewiesen.


Kleines Konversations-Lexikon von 1911


Coster, Laurens Janszoon, soll nach einer von Antonius van der Linde (* 14. November 1833 in Haarlem, 12 August 1897 in Wiesbaden) »De Haarlemsche Costerlegende«, 1870 als irrtümlich nachgewiesene Meinung die Buchdruckerkunst 1423 in Haarlem erfunden haben. Van der Linde veröffentlichte 1870 eine Schrift, die ihn in den Niederlanden zu einer unpopulären Person machte. Antonius van der Linde widerlegte den Mythos, dass Laurens Janszoon Coster nicht der Erfinder des Buchdrucks in Haarlem wäre, sondern erklärte der deutsche Johannes Gutenberg sei der eigentliche Erfinder.


Brockhaus die Enzyklopädie in 24 Bänden von 2001 Vierter Band: BRON - CRN


2) Coster, Laurens Janszoon, * Haarlem 1405, ebenda 1484. Niederländer, angeblicher Erfinder des Buchdrucks. Coster war u. a. Küster in Haarlem. Die Behauptung, dass Coster den Buchdruck erfunden habe, geht besonders auf eine 1568 von Hadrianus Junius (eigentlich: Adrian de Jongh; * 1.7.1511, 16.6.1575) verfasste Geschichte der Niederlande zurück. Ein Nachweis für ihre Richtigkeit ist bis heute nicht erbracht, zumal die niederländischen Frühdrucke nach bisheriger Kenntnis erst 1471 einsetzen.

 

Legende um angeblichen Erfinder des Buchdrucks ,

HOLLAND: Keine Chance, Gutenberg den Rang abzulaufen

Neffe Detlev P. fragt: Lieber Onkel Max! In Haarlem sind wir auf den Buchdrucker Laurens Janszoon Coster gestoßen. Er entdeckte 1423, also vor dem stets als Erfinder genannten Johannes Gutenberg, die Buchdruckkunst. Wir finden aber nirgends etwas über Coster. Kannst Du Infos geben?

Onkel Max antwortet: Da war der Wunsch der Vater des Gedankens, lieber Detlev! Kein Wunder, dass Du in den ,fnormalen" Lexika vergeblich suchst. Nur ausgefuchste Fachleute kennen den Namen -den dazugehörigen Mann aber kennen auch sie nicht. Geheimnisvoll? Wie man's nimmt. Experten am Gutenberg-Museum (Mainz) bestätigen, das im 16. Jahrhundert tatsächlich einige Verwirrung entstand, weil in den Niederlanden ein Laurens Janszoon Coster als Buchdruck-Erfinder propagiert wurde.

Laut „Lexikon des gesamten Buchwesens" erzählt der holländische Geschichtsschreiber Hadrian Junius 1588 „nach Hörensagen", Coster

habe 1440 die Buchdruckerkunst erfunden, sei aber durch einen treulosen Gesellen namens Johannes (!) um den Erfolg gebracht worden. In einer Christnacht habe Johannes den ganzen Typenvorrat und alle Werkzeuge seines Herrn gestohlen und sei über Amsterdam und Köln schließlich nach Mainz geflüchtet. " Obwohl als „Beweis" für die Existenz des Erfinders vor der Grote Kerk in Haarlem eine Statue des Laurens Janszoon aufgestellt wurde und noch dort steht, ist die Person historisch nicht zu ermitteln. Die

Wissenschaft heute ist sich einig, dass durch die Erfinder-Legende einst das niederländische Nationalbewusstsein gestärkt werden sollte und die frühesten Drucke unbestritten von der Druckerpresse des Johannes Gutenberg auf den Weg gebracht wurden.

Tipp: In Mainz wurde der Patriziersohn Johannes Gutenberg unter dem Namen Henne Gensfleisch zur Laden wahrscheinlich 1397 geboren. Hier liegt in der Altstadt das 1900 eröffnete, mittlerweile weltberühmte Gutenberg-Museum. In unübersehbarer Fülle bietet es Einblicke ins faszinierende Reich der Buchstaben und Bücher-von den Anfängen der Druckkunst über Gutenbergs revolutionäre Erfindung bis zu den Finessen aktueller Drucktechnik.

 

Betreff: Re: Fwd: An Frau Veith/ Anfrage zur Buchdruckkunst

Datum: Tue, 28 Aug 2001 08:43:20 +0200

Von: Michaela Veith <nmichaela.veith@stadt.mainz.de> Firma: Stadtverwaltung-Gutenberg-Museum An: Onkel Max <onkelmax@zb-marl.de>

Sehr geehrte Frau Sieg-Hövelmann, . 4

vielen Dank für Ihre Anfrage!

Wenn es um die Urheberschaft des europäischen Druckens geht, so entstand tatsächlich im 16. Jahrhundert einige Verwirrung, weil in den Niederlanden ein Laurens Janszoon Coster als Erfinder propagiert wurde. Tatsächlich ist diese Person historisch überhaupt nicht zu ermitteln; es handelte sich - wie die Wissenschaft heute einhellig bestätigt - mehr darum, das Nationalbewusstsein zu unterstützen.

Obwohl es nach wie vor die Statue in Haarlem gibt, ist es wissenschaftlich unbestritten, dass die frühesten Drucke von der Druckerpresse von Johannes Gutenberg auf den Weg gebracht wurden. (Man trifft aber immer wieder Holländer, die das nicht glauben).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Eva Hanebutt-Benz Direktorin des Gutenberg-Museums



Zitat aus dem "Lexikon des gesamten Buchwesens":

Laurens Janszoon, aus Harlem, angeblicher Erfinder der Buchdruckerkunst. Die Legende, dass der Haarlemer C. die Buchdruckerkunst erfunden habe, geht auf den holländischen Geschichtsschreiber Hadrian Junius zurück, der 1559-72 zu Haarlem als Rektor der lat. Schule wirkte und in seiner 1588 erschienenen "Batavia" nach Hörensagen erzählt, C. habe nach längeren Versuchen mit hölzernen Buchstaben 1440 die Buchdruckerkunst erfunden, sei aber durch einen ungetreuen Arbeiter, mit Namen Johannes, um den Erfolg seiner Erfindung gebracht worden. Der treulose Geselle habe in einer Christnacht den ganzen Typenvorrat und alle Werkzeuge seines Herrn gestohlen und sei zuerst nach Amsterdam, dann nach Köln, endlich nach Mainz geflüchtet, um dort 1442 mit den gestohlenen Typen das Doctrinale und die Traktate des Petrus Hispanus zu drucken. Die späteren Verfechter der Costerlegende verbanden mit diesem rührseligen Berichte des Haarlemer Rektors zur Stützung ihrer Auffassung den verworrenen Bericht der Kölner Chronik von 1499, nach der man in Holland noch vor Mainz Donate gedruckt und damit die Buchdruckerkunst vorgebildet habe, während sie in Mainz vervollkommnet worden sei. Weiter glaubt man in den ältesten holländ. Druckfragmenten die Überrester jener ersten "Fürbildung" sehen zu dürfen. In ähnlicher Richtung hat Gottfried Zedler zu beweisen versucht, C. habe die beweglichen Lettern erfunden mittels des Sandgußverfahrens, jedoch in sehr unvollkommener Weise, Gutenberg aber das Gieß-Instrument geschaffen, durch das erst der Buchdruck zu brauchbarer Verwendung gelangt sei. Wer sowohl die Haarlemer Überlieferungen als auch die Mainzer Vorgänge unbefangen prüft, kann keinen Augenblick zweifeln, dass das größere Recht, die Erfindung der Buchdruckerkunst zu beanspruchen, in Mainz liegt.

Erfinder des Buchdrucks

Laurens Janszoon Coster

 

Bi Shēng

 

Johannes Gutenberg